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Jeder Frühling trägt den Zauber eines Anfangs in sich

Ein Zitat, das die Qualität des Frühlings - des Holz-Elementes - nicht besser treffen könnte.



Man sehe sich mal nur das chinesische Schriftzeichen für Holz an: 木

Es stellt eine Pflanze dar, einen Keimling, welcher die Erdoberfläche (horizontaler Strich) durchbricht und der Sonne entgegenwächst. Der vertikale Strich symbolisiert den Stamm und die beiden Linien links und rechts vom Stamm die Wurzeln.


Wachstum ist das große Thema in der Wandlungsphase Holz, welches im Frühling, in der Kindheit und Adoleszenz am stärksten sichtbar wird. Einen Holz-Typen erkennt man an seinem Taten- und Bewegungsdrang, an seiner Abenteuerlust und seiner Liebe zur Selbstverwirklichung. Die gleiche Energie entfaltet sich im Frühling auch in der natürlichen Umwelt. Jede Pflanze folgt dem Plan der Natur und will um jeden Preis dem Licht entgegenwachsen – zielstrebig und selbstsicher. Auch wenn die Pflanzen zurückgeschnitten werden, wachsen sie weiter; manchmal brauchen sie auch diesen Rückschnitt, um besser gedeihen zu können. Erst wenn die Äste ständig und immer wieder zu tief zurückgeschnitten werden, es völlig an Freiraum fehlt und ihnen die fünf Elemente – Wasser, Mineralien, Erde, Licht und Wärme – in keinem harmonischen Verhältnis zur Verfügung stehen, geben sie irgendwann auf.



So wie die Pflanzen brauchen auch wir Menschen unsere Entfaltungsmöglichkeiten, um die Holz-Kraft in uns lebendig werden zu lassen. Im Frühling ist dieser Wachstumsdrang bei vielen Menschen besonders stark spürbar. Nach dem dunklen Winter steigt eine gewisse Ungeduld auf und mit den längeren Tagen und dem helleren Licht fängt auch die Energie im Innen wieder an zu brodeln. Wenn der starke Wachstumstrieb jedoch immer wieder niedergehalten wird, entsteht Frustration bis hin zu autoaggressivem Verhalten. Auf physischer Ebene kann der Körper mit Zysten, Geschwüren, Knoten sowie Allergien reagieren.



Leber, Gallenblase & der Geist Hun

 

Der Wandlungsphase Holz werden die Organe Leber und Gallenblase zugeordnet. Die Leber, das Yin-Organ, ist für den freien Fluss von Qi und Blut zuständig. Zudem kontrolliert sie den Blutfluss zu den Sehnen, Bändern, Zehen und Fingernägeln, öffnet sich in den Augen, säubert die Nahrung von Giftstoffen und beherbergt den Geist Hun.


Hun kann man sich wie unser Unterbewusstsein oder wie eine Festplatte vorstellen, auf der alle unsere Erfahrungen und Eindrücke gespeichert sind. Die Art und Weise wie wir in gewissen Lebenssituationen reagieren, ist zu einem großen Teil unserem Erfahrungsschatz – Hun – geschuldet. Da wir unsere Erfahrungen in der Nacht in Form von Träumen verarbeiten, gelten Träume in der TCM als Spiegelungen des Hun. Je weniger Leber- und/oder Herz-Blut bzw. -Yin vorhanden ist, desto eher kann uns der Geist Hun nachts von einem erholsamen Schlaf abhalten, da sich die Erinnerungen in lebhaften, intensiven und teils wirren Träumen zeigen. Im Gegensatz dazu ist der Schlaf tiefer, je kräftiger das Leber- und Herz-Blut sind.



Hun kann man sich auch wie einen Wolf in uns vorstellen, der alles daransetzt, uns am Leben zu erhalten. Wenn es zu einem Kampf kommt, wird der innere Wolf mit Knurren, Zähnefletschen und dem Aufstellen seiner Nackenhaare versuchen, sein Gegenüber einzuschüchtern. Wenn er riecht, dass etwas nicht in Ordnung ist, kann er ziemlich aggressiv reagieren. Deshalb ist die Emotion der Leber auch der Zorn.



Die Gallenblase, das Yang-Organ, sorgt dafür, dass genügend Qi zu den Sehnen, Bändern, Zehen und Fingernägeln kommt und trifft Entscheidungen. Anders gesagt könnte man sich die Leber als Architekten vorstellen, der die Pläne zeichnet, und die Gallenblase als Baumeister, der die Pläne der Leber in die Tat umsetzt. Menschen, die Schwierigkeiten haben, Entscheidungen zu treffen, haben aus chinesischer Sicht eine schwache Gallenblase. Pläne können noch so genial sein, wenn sie nie umgesetzt werden, bleibt nur die Frustration, die sich in nach außen gerichtetem Ärger umwandeln kann, um das eigene Unvermögen nicht verantworten zu müssen.


Zorn & Eifersucht

 

Mit der Emotion Zorn drücken wir einen ganzen Komplex „hitziger“ Gefühlszustände aus. Zorn inkludiert unterdrückten Ärger, Gereiztheit, Wut, Aggression, Frustration, Verbitterung, Feindseligkeit und Hass. All diese Emotionen können wie Lava in uns brodeln, bis es zur Eruption kommt. Stellt man sich den Zorn wie heiße Lava vor, spürt man schon, was mit unserem Qi passiert: Zorn bringt das Qi zum Aufsteigen.



Die Emotionen des Zorns sind dem Funktionskreis der Leber zugeordnet. Durch die aufsteigende Wirkung von Hitze werden Symptome aufgrund von zu viel Zorn meist im oberen Bereich des Körpers sichtbar. Vor allem rote, lichtempfindliche Augen sind ein Indiz für ein Ungleichgewicht im Element Holz, da sich die Leber in den Augen öffnet. Aufgrund der hitzigen Emotionen wie Zorn und Co. kann es des Weiteren zu einem hochroten Gesicht, stechenden Kopfschmerzen bis hin zu Migräne, Schwindel, hohen Tinnitus, Nackenverspannungen und zu hohem Blutdruck kommen. Auch Verdauungsprobleme sind bei Leber-Thematiken keine Seltenheit, da Holz im Kontrollzyklus das Element Erde kontrolliert – man spricht hier vom Syndrom „Holz attackiert Erde“.


Menschen, mit einem um sich schlagenden Hun erkennt man für gewöhnlich schnell, denn im Westen würde man sie als „cholerisch“ bezeichnen. Spannend ist, dass es hier einen Konnex zur TEM (Traditionelle Europäische Medizin) gibt, denn in der Humoralmedizin gibt es unter den vier Konstitutionstypen den Choleriker (aus dem Griechischen cholḗ = Gallensaft), der ebenso der Leber zugeordnet ist und bei dem Krankheitssymptome aufgrund eines Überschusses an trockener und heißer „Gelber Galle“ entstehen.


Doch manchmal ist die Diagnose nicht so einfach, denn nicht jeder Mensch mit einem Ungleichgewicht im Element Holz ist auch jähzornig. Das Gefühl von Ärger kann und wird auch von vielen über Jahre unterdrückt und „reingefressen“ und dann brodelt es zwar ganz schön unter der Oberfläche, aber es kommt nie (oder erst sehr, sehr spät) zu einer Entladung. Menschen, die dazu neigen, ihren Ärger, Zorn und ihre Aggression zu unterdrücken (auch „weißer Zorn“ genannt), zeigen sich deshalb erschöpft, mit leiser Stimme, angespannt, verbittert oder frustriert.


In der TCM-Diagnostik bedeutet das zusammengefasst: Je nachdem ob der Zorn unterdrückt wird oder man ihm freien Lauf lässt, kommt es zu einer Blockade (= Leber-Qi-Stagnation bzw. längerfristig Leber-Blut-Stagnation) oder zu aufsteigendem Leber-Yang bzw. wenn es richtig heiß hergeht zu emporflammendem Leber-Feuer.


Was braucht es nun, damit wir das volle Potential, das uns der Frühling bringt, ausschöpfen können? Den Mut und die Möglichkeiten zu wachsen & sich zu entfalten, wie es uns die Boten des Frühlings in der Natur vorzeigen.



In diesem Sinne wünsche ich dir tiefe Wurzeln, die dich erden, wärmende Sonnenstrahlen, die dich hinaus in die Natur locken und energiereiche Nahrung, die dir Kraft gibt.


Alles Liebe

deine Christina

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