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Gendergerechte Ernährung?!

Aktualisiert: 25. Mai


Der beste Ort für ein Date? Für mich ist das - ganz klar - ein schönes Restaurant, denn ich liebe es genussvoll zu essen und dabei gute Gespräche zu führen. Und man sagt ja nicht umsonst: Liebe geht durch den Magen. :) Nun bewundere ich oft, wie sich KellnerInnen all die Bestellungen merken und dann noch richtig zuordnen können. Wobei ich vermute, dass vielen Zuordnungen keine reine Gedächtnisleistung, sondern vielmehr Erfahrungswerte zugrunde liegen. Nehmen wir an, wir begleiten ein Pärchen bei seinem Date und sehen, wie der Kellner ein Weißbierglas und ein Achterl Rosé an den Tisch bringt - wem gehört welches Getränk? Zum Essen folgt ein Steak in Rotweinsauce und ein Fitnesssalat - wer hat was bestellt? Als Dessert gibt es ein Stück Malakofftorte und ein Fruchtsorbet und wieder die Frage - wer bekommt welches Dessert?

Ich denke, ich bin nicht allein, wenn ich intuitiv das Bier, das Steak und die Torte dem Mann und den Rosé, den Salatteller und das Sorbet der Frau gebracht hätte. Aber warum ist das so? Warum assoziieren wir Essen und Getränke mit Geschlechterrollen? "Ein Mann braucht sein Eiweiß und eine Frau muss auf ihre Linie achten" - echt jetzt?! Sind wir immer noch so wenig emanzipiert, - Frauen wie Männer - dass wir uns von der Gesellschaft sagen lassen, welche Ernährung männlich und welche weiblich sei? Vor ein paar Jahren sagte mir bei einer Grillerei ein Arbeitskollege (damals single, Sportler und bekennender Fleischliebhaber), er fände Frauen die Fleisch essen total unsexy. Ich war so perplex, dass mir einfach keine adäquate Reaktion einfallen wollte...


Wenn man sich das Konzept der typisch weiblichen und männlichen Ernährungsweise bei uns im Westen anschaut (das eigentlich längst veraltet sein sollte) und nach der Wirkung auf den Körper aus Sicht der TCM beurteilt, sieht das folgendermaßen aus:


Typisch weiblich:

Viel rohes Obst und Gemüse, Joghurt mit Früchten, Lightprodukte (= fettarme bis fettfreie Kost), wenig bis kein Fleisch, Vollkornprodukte, Schokolade (für die Nerven), Sommerspritzer & FRAUENgetränke (= süßlich schmeckender Alkohol)

Wirkung aus Sicht der TCM:

wirkt v.a. kühlend auf den Verdauungstrakt und schwächt das Verdauungsfeuer, schwer bekömmlich, befeuchtend --> fördert den YANG-Mangel


Typisch männlich:

scharf angebratenes Fleisch, gerne Gegrilltes, scharf gewürzt, Brettljause am Abend, deftige HausMANNSkost, Bier und hochprozentiger Alkohol

Wirkung aus Sicht der TCM:

stark wärmend bis erhitzend, teils trocknend, insgesamt befeuchtend, schwer bekömmlich --> fördert FEUCHTE HITZE und STAGNATION


Nehmen wir als Beispiel wieder das Pärchen bei ihrem Date und werfen ein wenig mit Klischees herum: Sie leidet unter kalten Füßen und Blähbauch; er schwitzt schnell, ist überarbeitet und leicht gereizt. Nach dem Essen wird sich an ihren Beschwerden nichts geändert haben: Sie wird mit kalten Füßen und einem Blähbauch beim Tisch sitzen und er sich für seinen übelriechenden Schweißgeruch schämen. Schade eigentlich, denn mit dem "richtigen" Essen hätte sich das alles verhindern lassen können. Der frierenden Frau hätte zum Beispiel ein mild gewürztes Curry mit einem Gläschen Rotwein gut getan und dem hitzigen, stagnierten Mann hätte ich den "Fisch auf Gemüsebeet, mit Sprossen garniert" auf der Speisekarte empfohlen. Und damit der Dame mit dem Sorbet nicht noch kälter wird und der Herr mit der Torte seine sogenannte Fülle-Situation nicht weiter nährt, hätte ich ihnen als Dessert einen Grünkernpudding mit roter Grütze serviert. (Vielleicht sollte ich Date-Essens-Beraterin werden. :D)


Was heißt nun "gendergerechte Ernährung" aus Sicht der TCM?

In der chinesischen Philosophie gibt es die dualen Kräfte Yin und Yang. Wir alle tragen beide Kräfte in uns, wobei Frauen mehr Yin- und Männer mehr Yang-Anteile besitzen. Da das Yin nicht nur für Weiblichkeit, sondern auch für Kälte steht und Yang nicht nur für das Männliche, sondern auch für die Hitze, liegt es nahe, dass Frauen tendenziell zu mehr Kälte-assoziierten und Männer mehr zu Hitze-assoziieren Beschwerden neigen. Sieht man sich die "typisch weibliche" und "typisch männliche" Ernährungsweise bei uns im Westen an, stellt man fest, dass diese ebenjene geschlechterabhängigen Ungleichgewichte fördert, anstatt die Dysbalancen auszugleichen. Ein TCM-Therapeut bzw. eine TCM-Therapeutin würde einer Frostbeule weder Rohkost noch Joghurt empfehlen und einem Hitzkopf von deftigen, scharf gewürzten Speisen abraten.

Manchmal kann es sogar günstig sein, die ernährungsspezifischen Geschlechterrollen umzudrehen. Denn Frauen neigen nicht nur zum Yang-Mangel, sondern aufgrund der Regelblutungen auch zum Blut-Mangel. Bei einem starken Blut-Mangel, wie beispielsweise nach einer Geburt, kann Fleisch wie Medizin wirken. Vor allem in Form von lang gekochten Kraftsuppen hat Fleisch die Kraft, einen Menschen rasch wieder zu Kräften zu bringen. Im Gegensatz dazu kann Fleisch für Männer mit einer Fülle- & Hitze-Konstitution viel zu nährend und zu wärmend sein. Dazu wieder ein Beispiel aus meinem Leben: Ein Bekannter nimmt sich gerne sein vorgekochtes Essen mit in die Arbeit. Da er sehr genügsam ist, stört es ihn nicht, wenn er mal nur Reis mit Gemüse mit hat. Seine Arbeitskollegen allerdings schon, denn die können es nicht lassen, ihn darüber aufzuklären, dass das kein gscheites Essen für einen Mann wäre...


Zum Thema Fleischkonsum ist mir noch wichtig hinzuzufügen, dass Fleisch generell in der TCM als MEDIZIN gesehen wird, von der man nur so viel nimmt, wie man braucht, um z.B. den Qi- oder Blut- Mangel aufzuheben. Natürlich gibt es auch Möglichkeiten, die Wirkung von Fleisch zu ersetzen, z.B. mit speziellen Kräutern und Wurzeln, weswegen Fleisch in der TCM-Ernährung kein Muss ist. Ich finde es nur wichtig zu betonen, wie achtsam die TCM mit Nahrungsmitteln umgeht, denn wie immer geht es auch hier um die Balance und um das Vermeiden von Extremen.


In diesem Sinne möchte ich dich dazu ermutigen, dir zu überlegen, wie sehr deine Ernährungsgewohnheiten von außen geprägt sind. Höre mehr auf die Signale deines Körpers und weniger auf die Normen der Gesellschaft!


EnerQigeladene Grüße Christina